Dienstag, 11. Mai 2010
Die Darstellung der Gallier in Caesars "Bellum Gallicum" und in den Asterix Comics
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A - 50-jähriges Jubiläum der Asterix-Bände im Oktober 2009
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Wer kennt sie nicht? – Die Gallier. Genauer: Die Bewohner eines kleinen aufmüpfigen Dorfes, in der Bretagne gelegen, die unaufhörlich und mit sichtlichem Erfolg dem großen Caesar und seinen vier, um das Gallierdorf herum errichteten, Heereslagern die Besatzung ihres Dorfes verweigern. Unter ihnen ihre beiden Helden, Asterix und Obelix, die „mit Köpfchen“ und immenser Kraft immer wieder des Dorfes Kopf aus der „Römerschlinge“ ziehen, und ein Druide, Miraculix, der einen geheimen Zaubertrank zu brauen vermag, welcher ungeheure Kraft verschafft.
Erst vor Kurzem, Ende Oktober 2009, feierten die erfolgreichen Asterix-Bände der beiden Autoren Albert Uderzo und Renê Goscinny 50-jähriges Jubiläum. Damals, 1959, noch als Begleitartikel in der französischen Jugendzeitschrift „Pilote“, erfreuten sich Asterix‘ und Obelix‘ Abenteuer schnell einer zunehmenden Beliebtheit und wurden schon bald separat als Comicbände veröffentlicht. Heute zählen sie wohl zu den erfolgreichsten Comic-Serien überhaupt!
Bei allem Asterix-Fieber sollte man jedoch nicht vergessen, dass es „die Gallier“, wie sie bei Uderzo und Goscinny immer wieder von angsterfüllten Römern betitelt werden, einmal wirklich gegeben hat und, dass auch Caesars Krieg gegen die Gallier ein tatsächlich stattgefundenes, historisches Ereignis ist, von dem Caesar höchstpersönlich in seinem Werk „De Bello Gallico“ berichtet hatte.
So manch einem stellen sich nun vielleicht Fragen, wie „Sind diese >>übermenschlichen<<, aber sehr sympathischen, Gallier aus den Asterix-Bänden nur ein Mythos?“, „Spielte sich der Kriegsverlauf wirklich so wie in den Comics ab?“, oder „Gab es so etwas wie Druiden, die mächtige Zaubertränke brauen konnten, wirklich? – Oder ist das alles nur von Uderzo und Goscinny zusammenphantasiert worden, um den Leser zu unterhalten?“
Diese und noch einige weitere Fragen werde ich im Folgenden unter Hinzuziehen des Werkes „De Bello Gallico“ von Caesar zu entschlüsseln versuchen.


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B - Hauptteil
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1. Einführung in das zu behandelnde Thema
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1.1 Historische Einordnung

Das Schlüsseljahr für meine Einführung in das zu behandelnde Thema, den Gallischen Krieg stellt das Jahr 59 v. Chr. dar.
In diesem Jahr wurde der damals 41-jährige Gaius Julius Caesar zusammen mit Bibulus zum neuen Konsul des Römischen Reichs ernannt. Diesem Ereignis, das für Gallien ein Jahr später nicht ganz unbedeutend sein sollte, ging ein Bündnis, dem sogenannten Triumvirat mit dem reichen Marcus Licinius Crassus und dem erfolgreichen Militär Gnaeus Pompeius Magnus im Jahr 60 v. Chr. voraus. Nach der Ernennung zum Konsul wurde Caesar 58 n. Chr. das Prokonsulat über die römischen Provinzen „Gallia Cisalpina, Illyricum und Gallia Narbonensis“ übertragen. Dort fungierter er als Beamter als eine Art Statthalter.
Der Erwerb des Prokonsulats über Gallien bedeutet für Caesar, dessen politischer Geist mit einem großen Expansionsstreben geprägt war, einen großen „Machtgewinn“ . Als Prokonsul besaß Caesar die Möglichkeit ein eigenes Heer zum Schutze seiner Provinzen zu errichten. Dieses bestand vor allem aus, durch das Klientelwesen Caesar zu militärischer und politischer Treue verpflichteten Legionären und Veteranen, die im Gegenzug durch Caesar zuvor mit Ackerland versorgt worden waren. Nicht nur um seine Machtverhältnisse außerhalb des Römischen Reichs zu erweitern, sondern auch um die Haushaltskassen ein wenig aufzufüllen, hielt Caesar Ausschau nach einem geeigneten Kriegsschauplatz. Dieser sollte sich kurz darauf in dem von Rom zum Teil annektierten Gallien, unter dessen einzelnen Volksgruppen seit Jahren große Unruhen herrschten, bieten.


1.2 Ursache des Gallischen Kriegs

Aus der politischen Situation betrachtet bot Gallien alles andere als ein Bild einer homogenen Einheit. Das Gebiet war in die jeweiligen Herrschaftsgebiete der einzelnen Stämme unterteilt und auch in Kultur und Sprache unterschieden sich die Volksgruppen deutlich. Man verbündete sich nur in Zeiten der Not oder wenn Gefahr von Außen drohte. Diese Bündnisse waren allerdings nie von großer Dauer, sondern wurden nach Überwindung der Krise wieder aufgelöst. Unter den gallischen Stämmen befanden sich auch einige, die mit Rom verbündet waren, wie z.B. der Stamm der Haeduer. Da die Stämme gesellschaftsstrukturell noch nicht so hoch entwickelt waren wie z.B. die Römer, kam es zu mehreren Völkerwanderungsbewegungen in Gallien, wobei eine von ihnen Caesar, dessen Geist mit einem nahezu maßlosen militärischen Ehrgeiz durchzogen war, den „Anlass für eine erste militärische Intervention“ gegen die Gallier bot.
Im Frühjahr des Jahres 58 v. Chr. ersuchten Gesandte des Stammes der Helvetier, eine im Gebiet der jetzigen Schweiz siedelnde Volksgruppe, Caesar mit der Bitte, die römische Provinz Gallia Narbonensis durchwandern zu dürfen. Für diese Bitte gibt Caesar in seinem Werk Commentarii de Bello Gallico folgenden Grund an:
Orgetorix, einer der reichsten und edelsten Männer unter den Helvetiern, schmiedete zusammen mit den Fürsten der Haeduer, Dumnorix, und der Sequaner, Casticus, den Plan, ganz Gallien zu unterwerfen. Nachdem sein Plan aber gelüftet worden war, musste er sich vor der Stammesversammlung der Helvetier verantworten. Zunächst gelang es ihm, sich durch seine 10000 Klienten seiner Verantwortung vor Gericht zu entziehen, später jedoch, als das verärgerte Volk darauf beharrte sein Recht mit Waffengewalt durchzusetzen, beging er schließlich Selbstmord. Was von Orgetorix aber geblieben war, war der Drang auszuwandern. Deshalb verbrannten die Helvetier all ihre Städte (oppida), Dörfer und all ihr Getreide, das sie nicht mit auf Wanderschaft nehmen wollten und zogen zusammen mit den Stämmen der Tulinger, Latobriger, Rauraker und Boier, die sie zuvor überredet hatten es ihnen gleich zu tun, gen Gallien.
Insgesamt ist von einer Menge von 368.000 Menschen zu lesen, 92 000 von ihnen bewaffnet.
Nachdem Caesar den Helvetiern den Durchmarsch durch seine Provinz Gallia Narbonensis untersagt hatte, blieb diesen nur noch ein einziger Weg um nach Gallien zu gelangen:
Der enge und beschwerliche Weg durch das Gebiet der Sequaner, zwischen dem Iura Gebirge und der Rhone.
Durch geschicktes Verhandeln des Haeduers Dumnorix mit den Sequanern, die den Helvetiern eigentlich feindselig gestimmt waren, wurde es der Volkswanderbewegung letzten Endes doch gestattet, das Gebiet der Sequaner zu passieren und erreichten das Gebiet der Haeduer. Diese waren alte Verbündete der Römer und wandten sich sogleich, genau wie das Volk der Ambarrer, an Caesar mit der Bitte, ihnen Beistand zu leisten, da sie nach der Verwüstung ihrer Felder die Feinde nicht mehr von ihren Städten fernhalten könnten und die Kinder, nach all ihren Verdiensten um das Römische Reich, nicht in Knechtschaft geführt werden dürften. Nach diesen Meldungen ließ Caesar seine Truppen sammeln - zuvor hatte er schon insgesamt fünf Legionen aus dem Römischen Reich in seine Provinz Gallia Narbonensis rekrutieren lassen – und heftete sich mit drei von ihnen an die Fersen der Helvetier.
Anfang Juni 58 v. Chr. erreichte Caesar mit seinen Legionen den Fluss Arar. Zu diesem Zeitpunkt hatten etwa dreiviertel der Helvetier den Fluss bereits mit Flößen und Kähnen überquert, das letzte, zum Kampf unvorbereitete, Viertel griff er in der dritten Nacht an und ermordete einen Großteil von ihnen. Es wurde eine Brücke über den Arar gebaut und die Verfolgung der übrigen Helvetier begann erneut. Diese waren durch die mühelose Überquerung des Arar von Caesars Truppen beunruhigt und schickten aus deshalb eine Gesandtschaft unter der Leitung Divicos zu den Römern. Dieser erbat einen Waffenstillstand und bot Caesar an, dass sein Volk sich dem seinigen unterwerfen werde und ein von Caesar gewähltes Gebiet als neues Heimatsgebiet annehmen werde. Außerdem erinnerte er Caesar an die verheerende Niederlage des römischen Heeres gegen die Helvetier, 107 v. Chr.
Nachdem keine Einigung erzielt werden konnte kehrte Divico zu den Helvetiern zurück, welche am darauffolgenden Tag sofort weiterzogen. Es kam zu einer weiteren, kleinen Auseinandersetzung zwischen der römischen und der helvetischen Kavallerie, wobei die 4000 Reiter starke römische, welche zu energisch den Feind verfolgt hatte, überraschender Weise von der nur 500 Reiter starken helvetischen Reiterei in die Flucht geschlagen werden konnte. Zudem gingen Caesar die Getreiderationen für seine Legionen aus. Über seinen Heeresführer Liscus erfuhr er, dass der Haeduer und Helvetierfreund Dumnorix das helvetische Volk gegen die Römer aufwiegelte und die Getreidelieferungen, welche die haeduerischen Beamten Caesar als Gegenzug für seinen Beistand zugesichert hatten, deshalb ausblieben. Aufgrund der Knappheit seiner Nahrungsmittelrationen entschloss er, Ende Juni 58 v. Chr., vom Weg der Helvetier abzubiegen und sich auf den Weg in die nur 18 Meilen entfernte und nebenbei noch größte und reichste Stadt der Haeduer, Bibracte, zu machen, um sich zunächst um die Getreiderationen kümmern zu können.
Auch die Helvetier änderten nach Erkennen von Caesars Absichten ihre Wanderbewegung, folgten den Römern nach Bibracte und begannen die Nachhut der Römer anzugreifen. Caesar ließ die Reiterei vorausschicken, um den Angriff anzufangen, währenddessen er seine vier Legionen auf halber Höhe des nächstgelegenen Hügels in dreifacher Schlachtordnung anordnete, zwei weitere sollten oben das Gepäck bewachen. Durch eine List wurde die helvetische Phalanx durch die Römer durchbrochen, die vom Hügel aus Pilen (pili) auf die Helvetier warfen. Im darauffolgenden Bodenkampf unterlagen die diese den Römern, da sie teilweise mit ungeschützten Körpern gegen die Feinde kämpfen mussten – die Pilen hatte sich in den Schildern verheddert. Jeder, der nicht schon tot war, rettete sich auf die Anhöhen eines 1,5 Kilometer entfernten Bergs. Nachdem diese einstweilige Flucht geglückt war erreichte auch die helvetische Nachhut, ca. 15000 Mann, bestehend aus Tulingern und Boiern, das Schlachtfeld und das gesamte helvetische Heer begann noch einmal gegen die Römer in einer Doppelschlacht zu kämpfen.
Schon in der darauffolgenden Nacht mussten sich die Helvetier geschlagen geben, nachdem die Römer auch ihre Wagenburg in der Nähe des Schlachtfelds einnehmen und dabei die Tochter des Orgetorix und einen seiner Söhne gefangen nehmen konnten. Trotzdem gelang ca. 130000 Helvetiern die Flucht. Diese erreichten nach vier Tagen das Gebiet der Lingonen. Caesar, der nicht gleich die Verfolgung der Helvetier aufnehmen konnte, da er sich zunächst um die Getreiderationen, um Verletzte und Tote zu kümmern hatte, nahm erst drei Tage danach die Verfolgung der Helvetier wieder auf. Schließlich zwang er diese in ihr verwüstetes Heimatland zurückzukehren, um das Gebiet vor der Übernahme durch die Germanen zu schützen, die Boier wurden bei den Haeduern aufgenommen.
Trotz des ausführlichen Berichts Caesars zum Kriegsgeschehen gegen die Helvetier sollte man nicht blindlings und ohne Rückbehalte diesem vollkommen Glauben schenken. Zu berücksichtigen ist, dass Caesar die Commentarii de Bello Gallico vor allem zu Propagandazwecken verfasst hatte, um das Volk und den Senat über sein Vorgehen gegen die Gallier zu besänftigen, da er beim Krieg gegen die Gallier vorsätzlich und ohne sichtbare Gefahr für die Provinz Gallia Narbonensis gegen diese vorgegangen war. Man kann allerdings auch behaupten, dass Caesar mit der Völkerwanderung der vier gallischen Stämme in eine Art militärische Zwickmühle geraten war, da er einerseits die Grenzen anderer Völker zu wahren hatte, andererseits aber Bündnispartner der Römer (vor allem die Haeduer) von den Helvetiern und ihren Verbündeten überfallen worden waren.
Bei anderen Quellen ist zu lesen, dass die Helvetier nicht aus Machtsucht ihre Region verlassen hatten, sondern aus Angst vor den, ihnen drohenden, Germanen, die unter der Führung des Suebers Ariovist standen.
Weshalb die Helvetier ihr Gebiet verlassen hatten wird so wahrscheinlich nie hundertprozentig geklärt werden können, was aber festzuhalten ist, ist, dass Caesar mit dem Eingreifen in die gallische Ständepolitik unabdingbar den Grundstein für den im Jahr 57 v. Chr. ausgebrochenen Gallischen Krieg gesetzt hatte.


1.3 Kurze Zusammenfassung des Kriegsverlaufs des Gallischen Kriegs

Noch im Sommer 58 v. Chr. spielte sich Caesar erneut als Schutzherr der Gallier auf, um somit während der Zeit als Statthalter möglichst viel Einfluss in Rom zu gewinnen. Ausschlaggebend für ein erneutes militärisches Vorgehen war diesmal der Sueber Ariovist. Dieser hatte aus Dankbarkeit für die Übernahme der Kriegsführung bei den Sequanern Landschenkungen im heutigen Elsass erhalten. Caesar unterstellte Ariovist die Absicht, ganz Gallien unterwerfen zu wollen und nahm dies als Kriegsanlass. Ariovists Heer konnte besiegt werden, wobei dieser selbst durch Zufall über den Rhein entkommen konnte.
Unter dem Vorwand einer angeblichen Verschwörung der Belger begann Caesar im Frühjahr 57 v. Chr. den Feldzug gegen die Belger, bei dem er angeblich das ganze jenseitige Gallien bis zum Rhein unterwerfen wollte. Durch Raubzüge in Gallien päppelte er die Kassen auf und konnte so den Soldaten doppelte Soldzahlungen bieten. Auf diesem Wege gelang es ihm sein Heer von anfangs fünf Legionen innerhalb kürzester Zeit auf acht, ihrem Heeresführer verschworene, Legionen aufzustocken. Mit dieser Menge an Soldaten und, was noch hinzukommt, zunächst noch gallischen Bündnispartnern wie den Haeduern, brachte er den Belger eine vernichtende Niederlage bei.
Nun berichtet Caesar von einem befriedeten Gallien, was natürlich nicht der Realität entsprach. Denn bereits 56 v. Chr., also gerade Mal ein Jahr später, sah er sich gezwungen, einige gallische Aufstände in die Knie zu zwingen und auch in den folgenden Jahren bis 54 v. Chr. veränderte sich die Situation in Gallien kaum. Das ständige Niederkämpfen von Gallieraufständen wurde lediglich von Caesars beiden Britannienexkursionen im Sommer 55 v. Chr. und im Frühjahr 54 v. Chr. unterbrochen. Im Herbst 54 v. Chr. folgten daraufhin weitere Aufstände, im November konnte sogar der gallische Stamm der Eburonen einen Sieg über eine römische Legion und fünf römische Kohorten bei Atuatuca verzeichnen.
53 v. Chr. war das Jahr, in dem für Caesar das scheinbare Ende des gallischen Widerstands datiert werden konnte. Er ließ alle germanischen Ehrenmänner versammeln, welche ihm zustimmten, dass der gallische Stammesführer Acco, der senonische Stammesfürst hingerichtet werden sollten. Mit diesem Triumph wiegte sich Caesar in Sicherheit und sah die Eroberung Galliens als beendet an. Er entließ seine Legionen in ihr Winterquartier.
Während Caesars Aufenthalt in Italien beklagten „die führenden Männer Galliens“ den Tod Accos und beschlossen, an abgelegenen Orten in den Wäldern, neue Kriegspläne gegen die Römer. Lieber wollten sie auf dem Schlachtfeld sterben als den zuvor erlangten Kriegsruhm und ihre Freiheit nicht zurückzubekommen.
52 v. Chr. brachten die Gallier durch den berühmten Gallischen Aufstand die Säulen der römischen Vorherrschaft in Gallien noch einmal gehörig zum Wackeln. Die Stadt Cenabum stellte den ersten Kriegsschauplatz dar, die die Carnuten auch schon nach kurzer Zeit für sich gewinnen konnten. Die führenden Männer Galliens wählten dort auch den jungen Averner Vercingetorix zu ihrem Anführer. Doch leider schlug der Plan, Caesar von seinem Heer abzuschneiden, fehl. Mit der Annahme, ohne Befehl Caesars würden die Truppen das Winterlager nicht verlassen, gerieten sie ins Schleudern. Unerwartete Weise verließen die römischen Legionäre ihre Winterlager und eroberten Cenabum schon nach kurzer Zeit zurück. Auch die Strategie der verbrannten Erde und der damit verbundene Versuch die Römer auszuhungern schlug fehl, da den Römern gelungen war, Avaricum, eine biturigische Stadt, einzunehmen, welchen sie von dort an als wichtigen Versorgungsstützpunkt verwendeten. Das nächste Aufeinandertreffen Caesars mit Vercingetorix folgte in Gergovia, der Hauptstadt der Averner. Dort hatten die Gallier in der Schlacht um Gergovia nicht nur einen geländetechnischen Vorteil, da die Stadt, die auf einem Hügel lag, gut befestigt worden war und man von oben die Angriffe der Römer gut beobachten konnte, sondern es konnten auch ehemalige Caesarfreunde, wie z.B. der Haeduerfürst Litaviccus für die gallische Seite gewonnen werden. Schließlich musste Caesar sich aus seinem Lager bei Gergovia zurückziehen, „da aufständische Haeduer die Stadt Noviodunum angegriffen hatten, in der die Römer ihren Proviant und die gallischen Geiseln untergebracht hatten.“
Die Aufständischen Eporedorix und Viridomarus brachten die Bevölkerung und die Wachtposten in Noviodunum um, schafften soviel Getreide wie es in der kurzen Zeit möglich war auf Schiffe weg und verbrannten alles, was sie nicht mit sich fortnehmen konnten.
Doch selbst der Verlust der Stadt Noviodunum und all ihrer Vorräte konnte die Römer nicht vollkommen aus Gallien vertreiben. Ein Beweis dafür ist der Ausgang der Reiterschlacht am Armançon. Nach der Niederlage in der Schlacht von Gergovia marschierte Caesar mit seinen Truppen in das Land der Senonen, um dort den zweiten Teil der römischen Armee, unter Leitung des Titus Labienus, an den seinigen anzuschließen.
Nach dem Zusammentreffen der beiden römischen Armeeteile machten sie sich zusammen auf „in Richtung Südosten entlang des Flusses Armançon.“ Die dort stattfindenden Reiterschlacht war für die Gallier unter der Führung Vercingetorix ein herber Rückschlag, da sie sich gezwungen fühlten in die nahegelegene Stadt Alesia, eine Stadt der Manduhier zurückzuziehen. Caesar heftete sich sofort an Vercingetorix‘ Fersen.
Durch die ungünstige natürliche Lage Alesias, welche auf einem Hügel lag und von hohen Bergmassiven zu drei umschlossen war, war es Caesar und seinen Truppen schnell möglich, die Gallier um Vercingetorix durch ein umfangreiches Belagerungssystem einzuschließen. Zuvor war es Vercingetorix allerdings noch gelungen seine Reiterei, die er ohnehin nicht gebrauchen konnte, fortzuschicken und von den übrigen gallischen Stämmen ein Entsatzheer rekrutieren zu lassen. Caesar erkannte die Gefahr eines Zweifrontenkriegs und half sich, indem er einen Circumvallation errichten ließ, der die Römer vor Angriffen aus dem gallischen Lager in Alesia schützen und einen Ausbruch verhindern sollte. Zudem ließ er noch einen Contravallation anlegen, der die Römer vor dem heranrückenden Entsatzheer der Gallier schützen sollte. Da die Nahrungsmittelvorräte in Alesia langsam knapp wurden, entschied Vercingetorix nach ungefähr 30 Tagen die kampfunfähige Bevölker aus der Stadt zu schicken, um so die Versorgung des Heeres zu gewährleisten. Caesar entschied sich bewusst dagegen, die Flüchtenden durch seine Befestigungsanlagen ziehen zu lassen und sah den Alesiern bei ihrem qualvollen Hungertod auf freiem Feld zu. Als endlich das Entsatzheer vor Alesia angekommen war, versuchten sich die Gallier an einem Ausbruch, indem sie zu beiden Seiten die römischen Befestigungen angriff. Das Entsatzheer wurde aber schon bald von Caesars Truppen zerschlagen und musste sich zurückziehen um sich erneut zu sammeln. Auch die Angreifer aus Alesia zogen sich wieder in die Stadt zurück. Als nächste militärische Operation der Gallier war ein Stummangriff einen Tag darauf vorgesehen. Hierzu schlichen sich die Gallier nachts heimlich aus der Stadt bis kurz vor den inneren Befestigungswall der Römer. Durch ihr plötzlich einsetzendes Kampfgeschrei wurde Vercingetorix alarmiert, der daraufhin mit seinen Truppen aus der Stadt zog. Durch die, von den Römern aufgestellten Spießfallen wurden allerdings viele Gallier Opfer ihrer Selbst. Bei Tagesanbruch, als man noch immer keinen Befestigungswall einnehmen konnte, entschloss man sich seitens der Gallier dazu, sich nach Alesia zurückzuziehen. Auch ein dritter Angriffsversuch der Gallier scheiterte. Die Truppen, welche sich zuvor durch die ungünstige Lage ihrer Lager zurückgehalten hatten, konnten zwar anfangs mit den Römern mithalten, wurden letztendlich jedoch von vier römischen Kohorten in die Flucht geschlagen. Als Vercingetorix das erkannte, ergab er sich in der Hoffnung, Caesar würde die Gallier nicht versklaven. Mit der Niederlage bei Alesia schrumpfte der gallische Widerstand gegen eine römische Herrschaft erheblich. Das folgende Jahr war zwar dennoch von einigen Aufständekriegen geprägt, wie zum Beispiel der Krieg gegen die Carnuten, allerdings fehlte auf gallischer Seite ein Führungsgestalt, die sich der Kriegsführung annahm. Gegen einige Stämme ging Caesar mit ebenso grausamer Härte wie gegen die Eburonen, d.h. er beutete besiegte Stämme aus, ließ ihren Lebensraum zerstören und die militärischen Anführer ermorden. Bei anderen Völkern zeigte er aber eine unausgesprochene Milde (clementia), welche ihm im bevorstehenden römischen Bürgerkrieg noch eine Hilfe sein sollte. Gemeinhin galt Gallien im Jahre 50 v. Chr. als militärisch gesichert. Nach der Zeit der römischen Bürgerkriege wurde es zunehmend romanisiert und die zerstörten Städte und Infrastruktur wiederaufgebaut.

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2. Die geografische Lage Galliens
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2.1 Schilderung des Kriegsschauplatzes in „De Bello Gallico“

„Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli appellantur.” So beginnt Caesar das erste Buch seines Werks „Commentarii De Bello Gallico“. Damit wird bereits zu Beginn seiner Schilderungen klar, dass ganz Gallien in drei Teile geteilt ist, wobei ein Teil von den Belgern, ein zweiter von den Aquitanern und der dritte von den Kelten, oder wie man sie in Rom nannte, Galliern bewohnt wird. Desweiteren führt er aus, dass die Gallier „[…]ab Aquitanis Garumna flumen, a Belgis Matrona et Sequana[…]“ geteilt seien und aus vielen einzelnen kleinen Stämmen zusammengesetzt seien. Nach diesem ersten groben Überblick über die Teilung Galliens widmet sich Caesar nun der genaueren Eingrenzung der drei Territorien: Gallien „[…]initium capit a flumine Rhodan“ und wird sowohl vom Fluss Garumna und vom Oceano berührt, als auch von den finibus Belgarum begrenzt. Außerdem erstreckt es sich auch bis nahe der Gebiete der Sequanis et Helvetiis am flumen Rhenum und verläuft von dort weiter nach Norden. Belgae beginnt am äußersten Gebiet Galliens, erstreckt sich zum unteren Teil des Rheins und nach Norden und Osten, und das Gebiet Aquitania grenzt die Landfläche von der Garumna bis zu den Pyrenaeos montes und den Teil bis zum Ozeans, der an der Küste Spaniens landet, mit ein. An das Gebiet der Sequaner, einem Stamm des Gebietes der Gallier, grenzt der montem Iuram, das heutige Juragebirge, welcher zusammen mit der Rhone das gesamtgallische Gebiet von dem Gebiet der, in der heutigen Schweiz siedelnden, Helvetier teilt. Zusammenfassend gesagt: Gesamtgallien ist von einigen Flüssen und Bergmassiven durchzogen ist, welche die natürlichen Grenzen der einzelnen Völker darstellen. Auch der Ozean im Westen bildet eine naturgegebene Eingrenzung des genannten Gebietes.


2.2 Lage und Entwicklung des Gallischen Dorfes in den Asterix-Bänden

„Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt… Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die römischen Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Babaorum, Aquarium, Laudanum und Kleinbonum liegen…“ Mit diesen Worten werden die Leser der Asterix-Comics von den beiden Autoren Renè Goscinny und Albert Uderzo zu Beginn eines jeden Comics in den historischen Zusammenhang eingeführt. Dabei sticht sofort ins Auge, dass das kleine, den Römern große Probleme verursachende, Dorf der Gallier von den vier römischen Legionen sozusagen eingekesselt ist, da die Bewohner im Notfall nur noch über den Seeweg – den heutigen Ärmelkanal – fliehen könnten. Die Lage am Wasser birgt aber noch einen weiteren Vorteil: Es ist für die Römer praktisch unmöglich die dort lebende Bevölkerung von Nahrungsmitteln anzuschneiden, da das Meer dem Dorf Wasser und Fisch liefert - d.h. so ziemlich alles, was man zum Überleben so braucht. Bekennende Fans der Comics wissen aber, dass den Lesern im Laufe der Comicausgaben durchaus tiefere Einblicke in das Dorfleben und die Dorfstruktur gegeben werden und so manchem mag dabei sogar aufgefallen sein, dass sich der Aufbau des Dorfes mit der Zeit sogar ein bisschen verändert. Im Folgenden werde ich nun auf die Fortentwicklung des Gallierdorfs in den Asterix-Bänden eingehen. Da die Chronologie der Bände hierbei eine wichtige Rolle spielt, bitte ich zu berücksichtigen, dass meine Analyse auf der ursprünglich veröffentlichten Reihenfolge basiert und nicht auf der, in den ersten sieben Bänden abweichenden, deutschen Erscheinungsreihenfolge. In Band I – Asterix der Gallier erhält man nur wenige Informationen zur Struktur des gallischen Dorfes. Gleich zu Beginn des Abenteuers ist zu erkennen, dass das Dorf von einem hohen Holzzaun umgeben ist, das in späteren Ausgaben auffällige Dorftor ist aber noch nicht zu sehen.
Desweiteren erfährt man, dass Asterix, der Held von Goscinnys und Uderzos Abenteurer, eine kleine Steinhütte mit schrägem Holzdach besitzt. Miraculix, der Dorfdruide, wohnt in einer Baumhöhle im Wald, also offensichtlich außerhalb der Dorfbefestigung. Als im Laufe des Abenteuers Asterix und Obelix zur Anmeldung des Gasts Caligulaminix mit diesem die Hütte des Dorfchefs Majestix aufsuchen, erhält man noch weitere Details über die Dorfkonstellation. Die Hütte des Majestix ist wesentlich größer als die des Asterix, außerdem besitzt sie nicht nur ein einfaches Holzdach, sondern ein Dach aus Heu. Über dem Eingang ist auf dem Dach ein Tiertotenschädel befestigt, links und rechts neben der Eingangstür stehen je zwei überkreuzte Lanzen mit einem Schild. Zudem kann man den Schmied Automatix in seiner Steinhütte bei der Arbeit beobachten. Es ist offensichtlich, dass die Hütten im Dorf relativ weit auseinander stehen und noch kaum mit befestigten Wegen verbunden sind.
In Band V – Die Goldene Sichel erhält der Leser das erste Mal eine übersichtliche Perspektive über das Dorfleben und die Gebäude des Dorfes. Rechts im Vordergrund der Abbildung 8 ist ein Dorfbrunnen zu erkennen, gleich dahinter die Hütte des Schmieds Automatix. Diese ist in ihrer Größe aber, im Vergleich zum ersten Band, um einiges gewachsen. Außerdem ist sie nun die einzige Hütte, die ein Holzdach besitzt, alle anderen Dorfhütten besitzen Heudächer. Auf der linken Seite ist ein kleiner Bachverlauf durch das Dorf zu erkennen über welchen eine kleine Brücke führt. Im Vergleich zu Band I stehen die Dorfhütten nun dichter aneinander und es gibt sogar einen Hauptweg im Dorf, auf dem man geradewegs zu einer Weinstube gelangt. In der nächsten Abbildung im Comic sieht man Obelix in seinem Hinkelsteinbruch arbeiten. Was noch auffällt ist, dass das Dorf immer noch kein Tor besitzt.
Zwei typische Gebäude, die auch in den weiteren Comics immer wieder in dieser Form auftreten, findet man das erste Mal in Band VII – Asterix bei den Goten. Am linken Rand der Abbildung 9 befindet sich das Baumhaus des Troubadix, rechts die Hütte des Druiden Miraculix, die einen hohen gemauerten Kamin besitzt. In Miraculix Vorgarten steht ein Vogelschlag. Darüber hinaus ist ein kleiner Teich rechts neben der Hütte des Miraculix zu erkennen. Am Ende des Abenteuers findet das Festessen sichtbar innerhalb der Dorfgrenzen statt.
Band III – Asterix als Gladiator gibt im Wesentlichen nur zwei neue Erkenntnisse: Die Straße vor Asterix‘ Haus ist nun bereits gepflastert und neben der Abschlussfeier mit dem Festessen, die wieder mitten im Dorf stattfindet, steht Troubadix‘ Baumhaus.
Da in den daraufhin erschienenen Bänden VI – Tour de France, II – Asterix und Kleopatra, IV – Der Kampf der Häuptlinge, VIII – Asterix bei den Briten, IX – Asterix und die Normannen , X – Asterix als Legionär, XI – Asterix und der Avernerschild, XII – Asterix bei den Olympischen Spielen und XIII – Asterix und der Kupferkessel im Einzelnen nur sehr wenige bzw. gar keine Veränderungen in der Struktur des gallischen Dorfes auszumachen sind, möchte ich diese kurz gebündelt zusammenfassen. Obelix‘ Hinkelsteinbruch, der das erste Mal in >>Die Goldene Sichel<< erwähnt worden ist, liegt innerhalb der Dorfgrenzen. Einmal wird der Zaubertrank des Druiden Miraculix auf einem Hügel mitten im Dorf gebraut , obwohl zuvor das Dorf in einer planen Landebene gelegen dargestellt worden ist. Es kristallisiert sich zudem heraus, dass Asterix und Obelix die gleiche Hütte bewohnen müssen. Da Obelix in >>Asterix als Legionär<< Troubadix‘ Baumhaus versehentlich umgestoßen hatte, wurde diese neugebaut, befindet sich aber immer noch neben dem Festplatz des Dorfs. Abgesehen von diesen kleineren Neuerungen kann man die Absicht der Autoren erkennen, dass sie das Dorf von einem Band zum nächsten möglichst genau übertragen wollen, denn auch aus anderen Perspektiven sehen die Entfernung und Anordnungen der Häuser zunehmend gleicher aus. Ein Beispiel dafür wäre die kleine Bank vor Asterix Haus, die immer an der gleichen Stelle – nämlich rechts neben seiner Eingangstüre – steht.
Im Band XIV – Asterix in Spanien gibt es zwar zum Dorf selbst keine neuen Erkenntnisse, aber es befindet sich zum ersten Mal ein Tor am Dorfzaun, welches sogar bewacht wird. Dass die Entfernung des, an das Dorf angrenzenden, Walds auf höchstens 100 Meter geschätzt werden kann, ist auch neu. Hinzu kommt desweiteren, dass Nachbarschaftbeziehungen ausgemacht werden können. Asterix wohnt schräg gegenüber vom Dorfanführer Majestix, das Baumhaus des Troubadix befindet sich direkt neben Asterix‘ Haus. Zuletzt wäre noch zu erwähnen, dass der Gallier Verleihnix ein Boot besitzt, mit welchem er Asterix und Obelix zu der hispanischen Grenze bringt.
Nach einer langen, in der Dorfstruktur, unveränderten Zeit, biete erst der Band XV – Streit um Asterix wieder viele neue Informationen zum Dorf selbst. Durch die fast schon traditionelle gewordene Darstellung des Dorflebens auf der ersten Seite des Abenteuers (Seite 5 in den Bänden), kann man noch einmal gut die geografischen Abhängigkeiten im Dorf betrachten. Durch das bewachte Tor ist Destructivus ins Dorf gekommen. Man kann ihn dabei beobachten wie er sich in Asterix‘ Hütte begibt. Abbildung 10 zeigt die Schlacht um das Dorf. Es ist zu vermuten, dass es sich bei der dortigen Darstellung des gallischen Dorfes eher um eine Skizze, als um eine detailgetreue Zeichnung handelt. Einzelne Anhaltspunkte wie der Bachverlauf, Obelix‘ Hinkelsteinbruch oder Automatix‘ Hütte sind zwar zu erkennen, die Relationen stimmen aber überhaupt nicht mit den vorrangegangenen Abbildungen überein. Die Entfernungen des Dorfs zum Meer und zum Wald werden durch diese Skizze auch neu definiert.
Dafür lässt sich in Band XVII – Die Trabantenstadt eine durchaus „naturgetreue“ Abbildung des Dorfes finden (vgl. Abbildung 11, Seite 17). Direkt vor Majestix‘ Hütte ist zum ersten Mal ein Heuhaufen mit dem Hahn des Dorfes zu sehen. Auffällig ist jedoch, dass Troubadix Baumhaus, anstatt üblich auf der gleichen Wegseite wie das Haus von Asterix, nun auf der gegenüberliegenden Seite steht. Entweder täuscht in diesem Fall die Perspektive, oder Troubadix hat den Baum gewechselt (weil der alte womöglich wieder von Obelix umgestoßen worden ist).
Die ersten Dorfabbildungen in Band XXI – Das Geschenk Caesars bieten das gewohnt, noch aus „Die Trabantenstadt“ bekannte, Dorfbild. Die Panoramaperspektive auf das Dorf biete zudem einen Blick auf den davorliegenden Wald und das dahinterliegende Meer, in das der kleine Anlegesteg für Verleihnix‘ Boot hineinragt. In diesem Band zeigt sich dem Leser auch das erste Mal eine Hütte neben Obelix‘ Hinkelsteinbruch. Dass Obelix wirklich auch in dieser Hütte wohnt wird im späteren Verlauf besonders deutlich, da eine Hundehütte für Idefix, Obelix‘ kleinen Hund, direkt neben dem Eingang der Steinhütte steht und im das Fensterbrett mit Blumengeschmückt ist. Das heißt, dass ab diesem Band endgültig feststeht, dass Obelix nicht mehr mit in Asterix‘ Hütte innerhalb der Dorfgrenzen wohnt.
Diese Tatsache wird auch in Band XXVII – Der Sohn des Asterix letztendlich noch einmal belegt. Zu Beginn des Abenteuers wachen Asterix und Obelix zusammen in Asterix‘ Hütte im Dorf auf , was den Eindruck entstehen lässt, dass das Haus am Hinkelsteinbruch doch nur Obelix‘ Geschäftsadresse ist. Aus einem späteren Dialog geht aber hervor, dass Obelix sehr wohl am Steinbruch wohnt und nur eine Nacht bei seinem Freund verbracht hat, denn er antwortet auf die Frage Asterix‘, wo er denn jetzt hinwolle, dass er zu ihnen nach Hause wolle und wendet sich mit der Aussage an seinen Hund Idefix. Am Ende dieses Abenteuers ereignet sich eine Katastrophe: Das Dorf brennt ab!7 Dadurch werden alle bisher ausgemachten Örtlichkeiten hinfällig. Auch wenn Caesar es an der gleichen Stelle wiederaufbauen lässt, ist nicht mit Sicherheit zu sagen, dass alle Gebäude wieder an genau der gleichen Stelle wie zuvor errichtet werden. Doch gleich in der nächsten Ausgabe der Asterix Abenteuer, dem Band XXVIII – Asterix im Morgenland, werden diese Unsicherheiten, was die Lage der einzelnen Hütten der gallischen Bevölkerung betrifft, geklärt. Direkt neben dem Dorfeingang steht die Werkstatt von dem Schmied Automatik. Diese kann man leicht an ihrer Holzkonstruktion erkennen. Auf der rechten Seite, also gegenüber der Werkstatt, befindet sich die Hütte vom Verleihnix – erkennbar am großen Schild. Etwas weiter hinten auf der linken Seite befindet sich Troubadix‘ Baumhaus. Im weiteren Verlauf der Geschichte erkennt man, dass das zweite Haus hinter dem Tor auf der rechten Seite das Haus des Majestix ist, das, wie das alte Haus vor dem Brand, mit Schildern geschmückt ist. Man kann also sagen, dass die Häuser nach dem Wiederaufbau des gallischen Dorfes durchaus denen vor dem Brand ähneln.
In den letzten Asterix-Ausgaben XXIX – Asterix und Maestria, XXX – Obelix auf Kreuzfahrt, XXXI – Asterix und Latraviata, XXXII – Asterix plaudert aus der Schule, XXXIII – Gallien in Gefahr und XXXIV – Asterix und Obelix feiern Geburtstag gibt es nur noch einige wenige neue Angaben zur Dorfstruktur. Zum Einem wäre das, dass Asterix‘ Haus samt der kleinen Bank rechts neben seiner Eingangstür wieder komplett aufgebaut worden ist; dann, dass das Haus des Methusalix gegenüber dem von Verleihnix errichtet worden ist. Desweiteren findet sich auch der kleine Bootssteg von Verleihnix wieder. Einzig und allein die Fragen, wo denn die neue Schule im gallischen Dorf errichtet worden sei und wo das Schlussbankett stattfinde, bleiben ungeklärt. Der einzige Anhaltspunkt für die geografische Lage der Schule könnte sein, dass der Tadel an einem Schüler noch sehr laut bei Asterix‘ Hütte zu vernehmen war und diese deshalb in der Nähe von dieser errichtet worden sein könnte.
Abschließend kann man also durchaus sagen, dass der Bildzeichner Albert Uderzo mit der Zeit ein festes Bild vom gallischen Dorf im Kopf hatte, welches er nach Möglichkeit in seinen Comicbildern umzusetzen versuchte. Teilweise verhindert perspektivisches Zeichnen die genaue Bestimmung relevanter Hütten, wie zum Beispiel die des Majestix, aber dennoch ergibt sich beim Leser bald ein in sich stimmiges Bild vom gallischen Dorf. Dass immer wieder unbekannte Hütten zwischen festauszumachenden auftauchen und diese auch nicht immer die gleiche geografische Lage besitzen, ist zu vernachlässigen. Interessant ist auch, dass nach dem großen Brand im gallischen Dorf, der Wiederaufbau doch nahe an den Originalaufbau herankommt, wenn auch einige Lokalitäten, wie zum Beispiel Obelix‘ Hinkelsteinbruch nicht mehr hundertprozentig ausfindig gemacht werden konnten.


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3. Gesellschaftliche Ordnung und Sitten der Gallier
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3.1 Abhandlungen der gallischen Gesellschaftsstruktur bei Caesar

3.1.1 Die Siedlungsformen der Gallier

Bei den Galliern stellt Caesar in seinem Werk „Commentarii de Bello Gallico“ verschiedene Siedlungsformen fest. Zum einen wird oft der Eindruck vermittelt, dass Gallien eine hoch urbanisierte Region mit einer großen Zahl an städtischer Bevölkerung darstellt, andererseits wird die Bevölkerung Galliens kaum als eben diese städtische benannt, sondern gemeinhin eher als Bewohner gallischer Landschaften bezeichnet. Dass Gallien aber im Besitz einiger erhabener Städte ist, wird dem Leser sehr schnell deutlich, denn immer wieder erwähnt Caesar bei der Schilderung des Kriegsverlaufs neue befestigte Städte, wie Gergovia oder Alesia. Manche ordnet er sogar anderen über, wie zum Beispiel, als er Bibracte als die Stadt, „[…]quod est oppidum apud eos maximae auctoritatis“ bezeichnet. Zudem erwähnt Caesar bei der Beschreibung einzelner Volksstämme zum Teil nur die Anzahl ihrer Städte. Dies ist vor allem beim Volk der Suessiones auffällig, von welchen er im Vorfeld seines Belgerfeldzugs festhält, dass „[…]oppida sua omnia numero ad duodecim“ besitzen.
Ländliche Siedlungsformen macht Caesar nicht nur bei Völkern der Belgae, sondern auch bei denen der Provinz Gallia Narobonensis und im gallischen Kernland aus.
So hebt Caesar aus Anlass seines Feldzuges gegen Ambiorix und die Eburonen an den domicilia Gallorum hervor, dass sie „[..]vitandi aestus causa plerumque silvarum ac fluminum petunt propinquitates“. Man kann aber mit gutem Gewissen behaupten, dass in Gallien die Zahl der ländlichen Bevölkerung die der städtischen bei Weitem überragte.
Doch neben der Form des sesshaften Siedelns gibt es auch noch die, des zeitweise nicht-sesshaften Siedelns einiger gallischer Völker. Vor allem beim Volk der Helvetii wird dieses Verhalten gleich zu Beginn von Caesar Ausführungen erwähnt. Bei diesen behaupte ein adliger namens Orgetorix, dass „perfacile esse, cum virtute omnibus praestarent, totius Galliae imperio potiri“. Als die Verschwörung aufgedeckt wird, wird jener zum Tode verurteilt. Da aber das Volk der Helvetier mit seiner geostrategischen Lag allgemein sehr unzufrieden war und fürchtete, von den Germanen überrannt und besetzt zu werden, wandten sie sich doch der Wanderschaft in ein neues Gebiet zu.
Dass die Siedlungsformen in Bezug auf den gallischen Krieg eine besondere Rolle spielen, wird jedem auffälligen Leser mit der Zeit bewusst. Die Form des nicht-sesshaften Siedelns bildet in Caesars „Commentarii de Bello Gallico“ sogar die Grundlage aller noch folgenden, kriegerischen Aktivitäten. Sie ist sozusagen der Auslöser des gallisch-römischen Kriegs. Die festen Siedlungsformen treten vor allem im Zusammenhang einzelner Schlacht (wie zum Beispiel der Schlacht von Bibracte) in Erscheinung und bekommen eine besondere Rolle für den Ausgang dieser Schlachten zugeschrieben. So, laut Caesar, war die Stadt Alesia 52 v. Chr., zwar gut befestigt, doch waren die Gallier unter Vercingetorix am Ende doch gezwungen, die Flucht nach vorne zu ergreifen, da Alesia von Bergen und dem Meer eingekesselt war.


3.1.2 Die Herrschaftsverhältnisse unter den Galliern

In der gallischen Gesellschaft gibt es, neben der Adelsschicht, nur zwei weitere, angesehen Schichten bei den Männern. Die Unterschicht, durch Schulden verpflichtet, begab sich in der Vergangenheit oft freiwillig in eine Art Sklaverei. Die Adligen haben ihnen gegenüber die gleichen Rechte wie ein Herr gegenüber seinen Sklaven. Auch die nichtverschuldete Unterschicht verzichtet auf jede Art eigenständiges Handeln und wird bei Versammlungen auch nicht zur Beratungsfunktion hinzugezogen.
Einer der beiden angesehenen Bevölkerungsschichten, außer der adligen, bildet die Schicht der equitum. Im Falle eines Krieges stehen sie alle an vorderster Front.
Als Kriterium für Ansehen und Macht sehen sie „[…]ita plurimos circum se ambactos clientesque habet“ an. Deshalb unternahmen sie auch vor Caesars Erscheinen in Gallien selbst Raubzüge durch die Regionen und vergalten einen, gegen ihnen gerichteten, Raubzug.
Die andere Schicht, die neben den Adligen in Gallien besonders angesehen war, stellt die Schicht der druidum dar. Da dieser Gesellschaftschicht Caesars besondere Aufmerksamkeit galt und seine Berichte und Erkenntnisse einen größeren Umfang besitzen, werde ich auf diese im folgenden Gliederungspunkt „Darstellung der Druiden und deren gesellschaftliche Funktion“ gesondert eingehen.


3.1.3 Die Darstellung der Druiden und deren gesellschaftliche Funktion

In sechsten Buch von Caesars „De Bello Gallico“ wird deutlich, dass der Bevölkerungsschicht der Druiden kommt bei den Galliern eine Reihe von Aufgaben zu, die allen anderen Schichten verwehrt bleiben. Außerdem genießen sie eine außerordentliche gesellschaftliche Stellung, durch die sie von einigen Pflichten, wie der Pflicht Kriegsdienst zu leisten oder Steuern oder andere Abgaben zu zahlen, befreit sind. Ihre Hauptaufgaben bestehen in der Erledigung religiöser Angelegenheiten, das heißt in der Verrichtung öffentlicher und privater Opfer, und in der Unterrichtung der Jugend. Nimmt man bei Druiden Unterricht, kann dieser unter Umständen bis zu annos vicenos dauern. Die Lehren sind kompliziert und umfassend. Ihr Kernpunkt umfasst die Theorie, dass animas non interire, sed ab aliis post mortem transire ad alios, dass die Seele eines Menschen nach dessen Tod nicht verloren ginge, sondern von dem einen, toten, Körper in einen anderen hinüber wandere. Folglich besteht die Hauptaufgabe eines Druidenschülers darin, Verse über die Gestirne und ihre Bahnen, über die Größe der Welt und ihres Erdkreises, über Natur und Dinge und eben über die Macht und Gewalt der unsterblichen Götter auswendig zu lernen. Dabei wird aber auf jede schriftliche Festhaltung der Verse verzichtet, da dies als große Frevelhaftigkeit angesehen wird. Diese Sitte begründen die Druiden damit, dass sie so verhindern wollen, dass ihr Lehren allgemein zugänglich gemacht werden können, und, um das Gedächtnis und die Scharfsinnigkeit ihrer Schüler zu trainieren. Denn nur Privilegierte schaffen es einmal höchstes Ansehen im Druidenkreis zu erlangen. An der Spitze dieses Druidenkreises steht ein Mann - der Druide, der den höchsten Einfluss und die höchste Gunst unter allen Druiden besitzt. Stirbt dieser Druide nimmt entweder der Druide, der nach ihm das höchste Alter besitzt, seinen Platz ein, oder dessen Nachfolger wird durch eine Wahl bestimmt, wenn mehrere Druiden das gleiche Alter und gleiche Ehren besitzen. Nicht selten passiert es auch, dass um die Nachfolge mit Waffen gekämpft wird. Der Druidenkreis tagt einmal jährlich an einem geweihten Ort im Gebiet der Carnuten. Dieser Ort soll angeblich den Mittelpunkt ganz Galliens darstellen. Während der Tagung, die sich über einige Tage und Nächte hinzieht, nehmen die Druiden eine weitere gesellschaftliche Position ein – die Position des Richters. Allen Galliern ist es gestattet, in der Zeit des Druidentreffens im Carnutengebiet mit ihren öffentlichen oder privaten Streitfällen vor die Druiden zu treten und sich ihrem Urteil zu beugen. Diese sind in der Lage praemia poenasque festzusetzen. Als höchste Strafe wird der Ausschluss von den Opferungen angesehen. Derart Bestrafte gelten als impiorum ac sceleratorum, als „Frevel und Verbrecher“. Es wird möglichst jeder Umgang, jedes Gespräch und jede Berührung mit ihnen vermieden, um nicht auch diese Frevelhaftigkeit an sich kleben zu haben. Ihre Urteile, wie auch alle anderen öffentlichen und privaten Angelegenheiten halten die Druiden, ganz im Gegenteil zu ihren Lehren, schriftlich in griechischer Sprache fest.
Caesar stellt die Vermutung auf, dass der Kult der Druiden mit samt ihren Lehrern von Britannien nach Gallien übergewandert sei und rät dem, der das Druidentum genauer erforschen möchte, nach Britannien zu gehen.


3.2 Uderzos und Goscinnys Umsetzung im Comic

3.2.1 Die Druiden in den Asterix-Bänden

Das Aufgabenspektrum der Druiden und ihre gesellschaftliche Stellung in den Asterix-Bänden ähneln denen der bereits unter „3.1.3 Die Darstellung der Druiden und deren gesellschaftliche Stellung“ (siehe Seite 22f) erwähnten.
Wie schon bei Caesar erfahren wir auch in Band V – Die goldene Sichel von einem alljährlichen Treffen der Druiden im Karnutenwald.
Im Band VII – Asterix bei den Goten stoßen wir dann schon auf weitere Druiden, die an eben diesem Treffen teilnehmen. Nur zwei von vielen werden namentlich genannt: Barometrix und Praktifix.
Doch diese beiden Druiden sind neben Miraculix, dem Druiden des gallischen Dorfes, das Asterix und Obelix bewohnen nicht die Einzigen, namentlich genannten:
In Band IV – Der Kampf der Häuptlinge soll der Druide Amnesix Miraculix von dessen Amnesie befreien. Als der Dorfhäuptling Majestix im Band XI – Asterix und der Avernerschild Bauchschmerzen bekommt, wird dieser von Miraculix zu dessen Freund Diagnostix nach Aquae Caldae geschickt. Dieser leitet dort ein Thermalbad und soll Majestix mit einer Diät von seinen Bauchschmerzen befreien. Im gleichen Abenteuer begegnen Asterix und Obelix auch noch dem Druiden Progonostix, der in der Stadt Brovo ebenfalls ein Thermalbad leitet. In Band XXVI – Die Odyssee will der Druidenspion Nullnullsix im Auftrag Caesars das geheime Zaubertrankrezept von Miraculix stehlen.
Als letzten, neben den vielen anderen erwähnenswerten Druiden, möchte ich noch den Druiden Patriarchix vorstellen, den Großvater Miraculix‘. Dieser hat Miraculix gemäß dessen eigener Aussage all sein Wissen vermittelt. Außerdem ist er in der Lage einen noch stärkeren Zaubertrank als Miraculix zu brauen. Patriarchix hat seinen Auftritt im Film „Asterix und Obelix gegen Caesar“.
Von der Existenz vieler Druiden in Gallien bekommt man in Band XIV – Asterix in Spanien ein gutes Bild, da in den spanischen Städten Pompaelo, Cauca, Segovia, Helmantica, Corduba und Hispalis, welche Asterix und Obelix im Laufe ihrer Reise besuchen, überall „Druidenprozessionen“ stattfinden.6
Die wichtigste Druidenrolle in den Comics erhält aber dennoch der Druide Miraculix. Neben Troubadix und Majestix ist er einer der wenigen Dorfbewohner, der einen Umhang trägt. Diese Tatsache und seine Mitgliedschaft im Dorfrat unterstreichen die Wichtigkeit des Druiden. Zudem ist er auch noch persönlicher Berater des Majestix. Dem Kurzgeschichtenalbum „Asterix plaudert aus der Schule“ kann man entnehmen, dass Miraculix auch durchaus ein Lehrer der gallischen Kinder ist und ihnen sein Wissen mündlich weitergibt. Der lange weiße Bart ist das Zeichen seiner Weisheit. Er ist der einzige Dorfbewohner, der einen solchen weißen Bart trägt. Um den Misteln ihre magischen Kräfte zu entlocken, so Majestix, benötige er eine besondere Sichel – eine goldene Sichel. Um aus den Misteln und einigen anderen geheimen Zutaten seinen berühmten Zaubertrank zu brauen, der den Galliern im Kampf gegen Caesars Legionen immer den Sieg erbracht hatte, benötigt er außerdem noch einen Kessel. Neben dem Zaubertrank braut er natürlich auch noch andere Tränke darin, wie zum Beispiel den misslungenen Entsteinerungstrank, den er Obelix in Band XXX – Obelix auf Kreuzfahrt.
In einigen Abenteuern reicht Miraculix‘ Rolle über das Brauen von Zaubertränken hinaus, wie zum Beispiel in Band IV – Der Kampf der Häuptlinge. Dort wird Miraculix von einem von Obelix‘ Hinkelsteinwürfen getroffen und erleidet eine Amnesie. Um diese zu bekämpfen erfährt der Leser im Laufe dieses Abenteuers eine Reihe interessanter Zaubertränke. In Band VII - Asterix und die Goten wird Miraculix sogar von den Goten entführt, damit diese ihm höchstpersönlich das geheime Zaubertrankrezept entlocken können. Miraculix weigert sich aber bis zuletzt vehement. Bei den Treffen im Karnutenwald in den Bänden VII – Asterix bei den Goten und XIX – Der Seher wird Miraculix sogar zweimal als bester Druide ausgezeichnet und gewinnt den „Goldenen Hinkelstein“ und den „Goldenen Kessel“.
Die Namensgebung für die Druiden in den Asterix-Comics spielte sich relativ einfach ab: Je nachdem, was der Druide für eine Hauptaufgabe besitzt, so ist auch sein Name gewählt – z.B. soll Amnestix Miraculix‘ Amnesie heilen. Der Name Miraculix hingegen leitet sich in den deutschen Abenteuern von Mirakel (=“Wunderding“) ab. In der französischen Originalfassung wird er Panoramix genannt, was soviel bedeutet wie „der Weitsichtige“ (von franz. panorama = Rundblick).


3.2.2 Teutates und Co. – Zentrale Gottheiten des Gallierdorfes

Fast in jedem Band ließt man es: Das erstaunte bzw. verärgerte Fluchen „Beim Teutates!“ Dabei war Teutates in den polytheistischen Gallien nicht der einzige Gott, der zur Verstärkung von Flüchen, Wutausbrüchen oder als Laut des Überrascht-Seins genannt werden.
Allerdings ist die Gottheit Teutates die am meisten genannte in allen Comicbänden. Teutates war der Name des gallischen Kriegs- und Stammesgott. Übersetzt bedeutet sein Name „Vater des Stammes“. Sein Name wird aber auch mit dem Handel in Verbindung gebracht.
Ein weiterer, in den Asterix-Bänden auftretender, Gott ist der Sonnengott Belenus. Er wurde von den Römern mit ihrem Gott Apollo gleichgesetzt.
In Band XIX – Der Seher werden noch vier weitere Gottheiten genannt:
Die Schutzpatronin Epona, keltische Fruchtbarkeitsgöttin, Göttermutter und Göttin der Pferde, die keltische Göttin der Fruchtbarkeit und des Reichtums, Rosmerta, der gallische Gott des Waldes und der Fruchtbarkeit, Sucellus, und der, mit dem römischen Gott Jupiter gleichzusetzende Gott, Taranis, zu dessen Ehre man Menschen in großen Weidegeflechten verbrannte. Er stellten den Gott des Himmels, des Wetters und des Donners dar.
Tatsächlich weichen die Namen der in den Asterix-Comics erwähnten Gottheiten nicht im Geringsten von ihren realen, keltischen Namen ab. Leider sind über die keltischen Götter kaum Informationen überliefert. Die meisten sind noch bei den Römern aufzufinden, welche jedoch einige keltische Namen mit denen vergleichbarer römischer Gottheiten ersetzten.


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4. Die Essgewohnheiten der Gallier
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4.1 Die gallische Nahrungsversorgung bei Caesar

Caesar teilt dem Leser im sechsten Buch seines Werks „De Bello Gallico“ einige Erkenntnisse über die Ernährung der gallischen Bevölkerung mit. Im 22ten Abschnitt beginnt er zu berichten, dass die Gallier „agriculturae non student, maiorque pars eorum victus in lacte, caseo, carne consistit5“. Auch ist niemand in Besitz eines bestimmten Stück Landes. Die Stammesführer vergeben Länder für die Dauer von einem Jahr, danach zwingen sie die Stammesgenossen weiterzuziehen. Das hat laut Caesar viele Gründe: Sie sollen sich nicht allzu sehr an die Sesshaftigkeit gewöhnen und dazu neigen, ihren Kriegswillen für diese aufzugeben. Desweiteren soll diese Vorsichtsmaßnahme die Bevölkerung davon abhalten, ihre Äcker und Ländereien erweitern zu wollen, sodass sich die schwächeren den stärkeren Sippschaften beugen müssen. Zudem soll noch die Möglichkeit verwehrt werden Häuser zu bauen, um sich gegen Hitze und Kälte zu schützen, damit die gallische Natur möglichst aufrecht erhalten wird. Als Letztes, so Caesar, wollen die Stammesführer so auch die Geldgier eindämmen um Krieg
untereinander zu vermeiden und um der niedrigeren Bevölkerungsschicht zu zeigen, dass sie genau so viel besitzen, wie die Mächtigen.
Bei den Galliern gab es also durchaus nicht nur Wildschwein zu essen, so wie wir es aus den Asterix-Bänden kennen. Das Fleisch, welches sie verspeisten, stammte hauptsächlich von Schweinen und Rindern, die sie selbst züchteten – wobei Schweine die Hauptfleischgewinnungsquelle darstellten. Aus ihnen wurden hauptsächlich Schinken, Würste, Speck und Blutwurst hergestellt. Als besondere Delikatessen galten Schweinsköpfe. Ein Schwein zu schlachten war damals immer mit einem großen Fest verbunden. Neben dem Fleisch wurden auch verschiedene Getreide- bzw. Mehlprodukte gereicht, wie zum Beispiel Brot. Dazu tranken sie Wein, welchen sie aus Italien oder Griechenland in Amphoren importierten, Met oder Bier.
Man kann also ohne Weiteres behaupten, dass sich auch Feinschmecker unter den Galliern verbargen.


4.2 Die kulinarischen Entdeckungen von Asterix und Obelix

Asterix und Obelix machen im Laufe ihrer Abenteuer einige kulinarische Entdeckungen. Schon im ersten Band erfährt man, dass Obelix einen großen Appetit besitzt und sein Lieblingsessen gebratenes Wildschwein ist. Obelix‘ Leibspeise ist auch das Hauptnahrungsmittel des kleinen gallischen Dorfes, da sie diesem in nicht weit entfernten Wald jagen und zu jedem Festmahl, das am Ende eines jeden Asterix-Bandes stattfindet, serviert wird.
Es gibt aber noch weitere kulinarische Leckerbissen, die in den Comics mit der Zeit auftauchen. Vor allem in Band VI – Tour de France spielt Essen eine wichtige Rolle. Auf ihrer Reise durch ganz Frankreich bekommen die beiden Helden Asterix und Obelix allerlei Verschiedenes zwischen die Kiemen. Gleich zu Beginn gehen sie in einem Laden Backpfeifen kaufen , kurz darauf wird ihnen in einem Keller Wein ausgeschenkt. Bei bestellen einer Bouillabaisse wird ihnen Pastefix, ein Anisgetränk, dazu angeboten, welches aber dankend abgelehnt wird. Dass die Menschen damals sich aus ausgewogen und gesund ernähren könnten zeigt der Salade Nicaeoise und nicht zuletzt das Kurprogramm, auf welches der Dorfchef Majestix von Miraculix geschickt wird. Dort wird ihm in Wasser gekochtes Gemüse vorgesetzt.
In Band XXVIII – Asterix im Morgenland entdecken Asterix und Obelix die persischen Speisen Kaviar und gebratenes Kamel.
Die Liste an verschiedensten Gerichten, die in den Asterix – Bänden vorkommen ist noch lang kann noch um einiges weitergeführt werden. Dies würde allerdings mehrere Seiten umfassen. Um nicht zu tief ins Detail zu gehen sollte man abschließen nur noch die besondere Rolle des Fischs in den Asterix Comics erwähnen. Er wird bekannter Maßen gerne als Wurfgeschoss bei Streitigkeiten verwendet und ist auch meist Auslöser dieser polemischen Diskussionen. Im Band XIV – Asterix in Spanien findet dieses Spektakel das erste mal statt, also Obelix von Verleihnix einen Fisch erwirbt, diesen aber wieder umtauschen möchte, nachdem ein Kind behauptet hatte, dass Obelix in damit geschlagen habe. Aus Frust, dass er den Fisch nicht umtauschen kann schleudert er in durch gallische Dorf und verfehlt nur knapp den Schmied Automatix. Stattdessen wird ein anderer Bewohner getroffen, der denkt, Automatix hätte den Fisch geworfen und sich deshalb auf seine Art bei ihm bedankt. Das geht immer so weiter, bis schließlich das ganze Dorf in eine Schlägerei verwickelt ist.
Uderzo und Goscinny stützen sich also beim Entwurf des Ernährungsplans ihrer Helden durchaus auf historische Gegebenheiten, welche allerdings mit modernen Trends kombiniert wurden, z.B. gekochtes Wildschwein in Pfefferminzsoße.


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5. Vercingetorix‘ Rolle in den Asterix – Comics
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Wie die wirkliche Auseinandersetzung Caesars und dem großen gallischen Kriegshelden Vercingetorix verlaufen ist, habe ich bereits in meinem Gliederungspunkt 1.2 erwähnt. Nun möchte ich noch die Rolle des Vercingetorix in den Asterix – Comics betrachten. Entgegen aller Erwartungen spielt dieser nämlich in den Comics keinerlei große Bedeutung. Sein größter Auftritt in Band XI – Asterix und der Avernerschild gleich im ersten Bild auf Seite fünf. Dort wirft er, als Zeichen seiner Kapitulation, Caesar seine Waffen zu Füßen – bzw. auf die Füße. In Band I – Asterix der Gallier ist ebenfalls diese Szene zu beobachten.
Dass diese historisch doch so bedeutende Szene von den beiden Autoren Albert Uderzo und Rene Goscinny so ins Lächerliche gezogen wird untermauert meine Schlussfolgerung, dass sie keinerlei Gefallen an der Figur des Vercingetorix finden konnten und ihn in ihren Abenteuern erscheinen lassen. Bis auf diese beiden Erwähnungen, die auch noch identisch sind, kommt der Rolle des Vercingetorix, anders wie in Caesars „De Bello Gallico“ keine weitere wichtige Bedeutung zu.




©NiLa, Deutschland, 2010

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